Präventionsprojekt „Erinnern, Lernen, Handeln“ in Kooperation mit der JVA Bielefeld-Senne
, Clarholz, Bielefeld & Gedenkstätte Bergen-Belsen
Diesen Dezember geht das Präventionsprojekt „Erinnern, Lernen, Handeln“ in eine neue Runde. Das Projekt richtet sich an junge Straftäter, die im Offenen Vollzug der JVA Bielefeld-Senne in den Haft-Außenstellen Clarholz und Verl inhaftiert sind.
Ziel des Projekts ist es, die Teilnehmenden zu einer intensiven Auseinandersetzung mit den Themen Rassismus, Nationalsozialismus und interreligiösem Dialog zu motivieren und durch diese Reflexion präventive Impulse für ein respektvolles und verantwortungsbewusstes Handeln zu setzen.
Im Zeitraum von zwei Wochen nehmen die Inhaftierten an verschiedenen Workshops, Exkursionen und Gesprächen teil, die ihnen neue Perspektiven eröffnen und ihre Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen fördern.
Das Projekt beginnt mit einem gemeinsamen Willkommensgespräch in der Außenstelle Clarholz. Hier werden die Teilnehmenden in das Programm eingeführt und erste Erwartungen sowie Ziele der gemeinsamen Arbeit besprochen. Anschließend findet ein gemeinsames Kochevent in einer Großküche statt. In lockerer Atmosphäre können die Teilnehmer sich untereinander besser kennenlernen und den Projektverantwortlichen Fragen zum bevorstehenden Programm stellen.
Das Programm beinhaltet in den zwei Wochen folgende Punkte:
- Besuch der Gotteshäuser: Ein Programmpunkt ist eine interreligiöse Exkursion, bei der die Teilnehmenden eine Moschee, eine katholische Kirche und eine Synagoge in Bielefeld besuchen und die Gelegenheit haben, die religiösen Gebäude kennenzulernen und im Austausch mit Vertreter*innen der jeweiligen Religionsgemeinschaften mehr über deren Glauben und Praktiken zu erfahren.
- Interreligiöser Dialog: Die Teilnehmenden haben anschließend die Möglichkeit, mit einem Imam, einer Rabbinerin und einem Pfarrer in einem offenen Gespräch über ihre religiösen Erfahrungen und die Bedeutung des Glaubens im Alltag zu sprechen. Diese Begegnung fördert das gegenseitige Verständnis und den Dialog zwischen den verschiedenen religiösen Traditionen.
- Anti-Rassismus-Workshop: Der Workshop bietet den Teilnehmern die Möglichkeit, sich mit den verschiedenen Facetten von Rassismus auseinanderzusetzen und Handlungsmöglichkeiten gegen Diskriminierung zu erarbeiten. Nach einem vertieften Kennenlernen werden verschiedene Diskriminierungsformen besprochen und an bestehendes Wissen und Erfahrungen angeknüpft. Die Diskussionen sind meist sehr lebendig und die Teilnehmer sehr engagiert. Zum Ende des Workshops werden in Rollenspielen verschiedene Möglichkeiten der Reaktion auf rassistische Situationen im Alltag erprobt.
- Projekttag bei Arminia Bielefeld: Julius Hesse, einer der ersten Vereinspräsidenten von Arminia Bielefeld, wurde im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet. In einem Projekttag in der Schüco Arena setzen sich die Teilnehmenden mit dem Fußballverein Arminia Bielefeld während der Zeit des Nationalsozialismus auseinander.
- Besuch der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen: An einem Tag findet ein Studientag in der Gedenkstätte Bergen-Belsen statt. Die Teilnehmenden erhalten eine Führung durch das ehemalige Konzentrationslager und beschäftigten sich intensiv mit den historischen Aspekten der NS-Verbrechen, unter anderem mit dem Thema „Bystander und Tatbeteiligte". Der Tag endet mit einer Diskussion und Reflexion zu den erlebten Eindrücken.
- Vier Tage sind für schulische Unterrichtseinheiten in der Außenstelle Clarholz reserviert. Ein Lehrer bereitet die Teilnehmenden an drei Tagen inhaltlich auf die bevorstehenden Exkursionen vor, um den Inhaftierten ein besseres Verständnis für die verschiedenen religiösen Traditionen und die Bedeutung des Nationalsozialismus und seiner Verbrechen zu vermitteln. Zum Ende des Projekts werden die Themen der vergangenen Tage zusammengeführt und die Abschlussveranstaltung vorbereitet. Dafür entwerfen die Teilnehmer Poster zu den unterschiedlichen Teilschwerpunkten, nutzen Fotos, die während der Exkursionen gemacht wurden, und schreiben eigene Erklärtexte.
Das Projekt endet mit einer Abschlussveranstaltung in der Außenstelle Clarholz. In dieser Veranstaltung werden die erarbeiteten Poster vorgestellt, die Erfahrungen und Erkenntnisse der Teilnehmenden zusammengetragen und gemeinsam evaluiert.
Das Projekt „Erinnern, Lernen, Handeln“ bietet den Teilnehmenden eine wertvolle Möglichkeit, sich mit wichtigen gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen und eigene Perspektiven zu erweitern. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, der interreligiöse Dialog und die Förderung von Respekt und Toleranz leisten einen wichtigen Beitrag dazu.
Das Projekt wird durch den Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.